Wie alles begann...

W i p s h a u s e n.

Kurz vor der Bundesstraße 214 , mitten im Busch, Wiesenland und weiten Spargelfeldern liegt die Drahtfabrik Josef Hintzen & Söhne, ein Familienbetrieb im wahrsten Sinne des Wortes, wie man ihn wohl in der gesamten Bundesrepublik kaum wieder antreffen dürfte. Der 73jährige Seniorchef und „Mutti“, wie Frau Irmgard Hintzen im Betrieb genannt wird, sind noch immer die Seele des Geschäfts. Dazu aber sind die Hauptmitarbeiter die fünf Söhne Klaus, Manfred, Helmut, Horst und Werner, der älteste 35, der jüngste 18 Jahre alt, und zwei Schwiegertöchter im Büro. Arbeitskräftemangel, also kaum zu befürchten, obwohl noch rund 15 fremde Kräfte, viele davon weit über zehn Jahre in der Fabrik tätig sind.

 

1943 zweimal mit seiner Fabrikation in Düsseldorf ausgebombt, wurde Hintzen mit seiner Familie nach Peine evakuiert. 1946 baute er das heutige Haus in den Busch bei Wipshausen/Horst. Ohne Strom, mit Windmotoren und Dieselaggregaten lief die erste Produktion an. Damals waren die wenigen Anwohner dort draußen im Spargelland noch auf die Petroleumlampe, seligen Andenkens, angewiesen. Erst die Drahtfabrik brachte elektrisches Licht in diese weit abgelegene Gegend, in der sich damals noch Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagten.

 

Josef Hintzens Überlegung sollte sich als richtig erweisen. “Ich muss nicht unbedingt ins Industriegebiet zurück“, sagte er sich, „der Raum Peine ist für meine Produktion aufnahmefähig genug“, und Arbeitskräfte werde ich dort nach diesem Kriege auch finden!“

 

Diese Pläne hatte er in englischer Kriegsgefangenschaft geschmiedet und anschließend in die Tat umgesetzt.


Wenn zuerst auch hauptsächlich von Hand fabriziert werden musste, es war Mangel an allen Dingen, und Hintzens Produkte wurden dringend zum Aufbau gebraucht. Wullbrandt & Seele aus Peine war sein erster größerer Kunde, andere namhafte Werke aus dem Landkreis Peine schlossen sich an. Nicht zuletzt waren die Landwirte seine Kunden und sind es heute noch. Weidezäune und Maschendraht werden immer gebraucht.


 


Eine weitere Spezialität sind winzige Drahtstifte für die Kisten der Champignonzüchter oder feinste Betonstähle für Feinbeton mit Stärken von nur drei Millimetern. Aber auch größere Stahlstangen werden für alle Betonarbeiten in der so genannten Steckerei im Freigelände hergestellt und in allen Längen und Stärken geliefert. Eine Tagesproduktion von rund 30 Tonnen ist in dieser Abteilung möglich, während fünf bis acht Tonnen Drahtstifte am tag herausgebracht werden können. Josef Hintzen hat die größten Drahtstiftmaschinen aufgestellt, die es z. Zt. in Europa gibt.

 

Zu diesen Betriebsformen kommt noch die Drahtzieherei, in der die Drähte von ihren größten Stärken auf feinste Durchmesser gezogen werden. Die Drahtstifte, die später daraus entstehen, werden in allen Größen gefertigt. Der Riese unter ihnen ist 8,8 mm stark und 26 cm lang.

 

Er wird für Dachkonstruktionen, aber auch für das Zusammennageln überdimensionaler Kisten für Maschinentransporte gebraucht.

 

Sein „kleiner Bruder“, der auch in der Drahtfabrik im Busch fabriziert wird, ist dagegen ein Zwerg, im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Stärke liegt bei 0,9 mm, sein Länge bei nur 13 mm.

 

Eine weitere Spezialität ist die Herstellung von Maschendraht. In acht Stunden Arbeitszeit können davon rund 1.000 m mit farbigen Kunststoff überzogenes Geflecht, mit Höhen bis zu 2,20 m über die Maschinen laufen und an die Kunden weitergeliefert werden. Aber nicht nur die Fertigung wird von der Drahtfabrik, auch die Aufstellung fertiger Zäune wird dazu übernommen. Landwirte sind die Hauptprivatkunden auf diesem Gebiet. Neuerdings aber auch die Bundeswehr, die ihre Kasernenkomplexe einzäunen lässt. Außerdem werden schmiedeeiserne Tore und Türen ganz nach Wunsch und Vorlage angefertigt, die in der Hauptsache von Baufirmen benötigt und bestellt werden.

 

In den vergangenen 50 Jahren hat die Drahtfabrik einen beachtenswerten Aufstieg unter der weitsichtigen Leitung ihres Seniorchefs genommen.

 

Von den Anfängen, noch unter dem trüben Licht der Petroleumlampe, in dem mit eigener Hand erbauten Gebäude bis zur jetzt leistungsfähigen Fabrik, die allerdings auch heute noch unter dem Mangel an genügender Elektroenergie leidet.


 

 

125 vorhandene Ampere reichen nicht aus. Wenn alle Maschinen arbeiten, sind die Sicherungen schnell durchgebrannt. Ein Transformator, der von der HASTRA aufgestellt werden sollte, müsste dafür sorgen, dass die Fabrik mit mindestens 450 bis 500 Ampere versorgt werden könnte. Die Kosten allerdings sind dafür sehr hoch.

 

Ein Gewerbebetrieb, wie Hintzen & Söhne, würde sich selbst bei bester Geschäftslage schwer tun, die Finanzierung aus eigener Tasche zu schaffen.